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Saitenweise.. . . . . . . . . .30. Juli 1998 . . . . . . . . . . Nummer 7

Artes Iuventutis
Vom Singen und Tanzen...

...lernten sie in den 10 Tagen wohl einiges – jedoch genausoviel von den Härten des Berufs, vom Umgang mit Kollegen in Streßsituationen, und auch jeder ein wenig über sich selbst.
Die 14 Mädchen vom Musical-Kurs brachten wirklich Erstaunliches zustande: Innerhalb von 10 Tagen stellten sie eine einstündige Musical-Produktion auf die Bühne.
Ein Bericht von Martin Jeff Frohner

Zu Beginn wurden von uns die bereits vorhandenen Fähigkeiten getestet. Auf gesanglicher Basis bedeutete das ihre erste Audition (Vorsingen). Was so lapidar klingt, ist in Wahrheit ein äußerst schwieriges Unterfangen. Für beide Seiten. Man nehme ein 15jähriges Mädchen, gebe ihm 24 Stunden davor einen Haufen Noten und stelle es dann in einen Raum mit dem vermutlich angehimmelten Musical-Sänger und einem Pianisten und verkünde den Befehl ”sing!”. Heraus kommt eine Mixtur aus 10% ergeizigen Solokünstlerinnen, 50% ”ich trau´ mich nicht so recht, deshalb sing ich so leise, daß er mich nicht hört”-Kandidatinnen, 20% recht professionell agierender Sängerinnen und 10% Totalverweigererinnen (”Nein, ich singe nicht !!”).
Letztendlich wurden dann alle Rollen vergeben und sogar die Totalverweigererinnen zum Singen bewogen.
Inzwischen wurden die beiden Ensemble-Nummern (”We Beseech Thee”, ”God Save the People”) einstudiert. Das Problem dabei tauchte erst auf, als es galt, Choreographie und Gesang zu verbinden. Aber auch diesen härtesten aller Fälle meisterten die Mädchen. Selbst die anfänglichen Totalverweigererinnen zeigten plötzlich so manch verborgenes Talent.
Während dieser Proben schrieb Harald Tauber das Textbuch und die Szenenbilder, Tanja Linzbichler die Choreografien und ich das Orchesterarrangement. ”Während” heißt so viel wie: in den Nächten dazwischen.
In den Nächten dazwischen schonten aber auch manche Sängerinnen ihre Stimmen nicht, sie konnten nicht genug kriegen und veranstalteten nächtliche Musical-Sessions, was sich tags darauf bei den Proben mit leichtem Kratzen in der Stimme rächte. So bekam die Musical-Gruppe einen probefreien Tag, den sie sich auch wirklich verdient hatte.
Bei den Proben zu den Solo-Nummern (sowohl gesanglich als auch tänzerisch) zeigte sich ein weiteres Phänomen: der Neid (s.o. ”Härten des Berufs”). Außerdem mußten just jene zwei Mädchen, die sich am wenigsten vertrugen, eine gemeinsame Tanznummer einstudieren. Da man es sich im Beruf (und das  ist ja ihr Wunsch) auch nicht aussuchen kann (s.o. ”Härten des Berufs”, ”Umgang mit Kollegen”), kämpften sie sich darüber hinweg, arbeiteten professionell und lieferten eine perfekte Tanznummer.
Die Orchesterproben waren für mich die größte Überraschung, da ich nicht ahnte, wie verschieden die Musik-Stile Klassik und Musical sind. Nachdem sich die MusikerInnen die für sie vollkommen neuen Phrasierungen einverleibt hatten, spielten sie auch in diesem musikalischen Neuland bravourös. So unmöglich es mir am Anfang erschien, so perfekt verschmolzen schlußendlich bei Generalprobe und Aufführung alle Einzelteile – vom Orchester über Chor, Sologesang, Tanz und Schaupiel bis zum Bühnenbild – ineinander.
Gelernt haben die Mädchen Einiges, es wäre unmöglich alle Bereiche aufzuzählen. Vom Zwischenmenschlichen kann ich nur ahnen, vom Musikalischen kann ich berichten: Es sind sicher ein paar Mädchen dabei, die, wenn sie so weiter machen, in vier bis fünf Jahren auf einer der großen Musical-Bühnen Österreichs stehen könnten.
 


made by Werner Goebl, 06.02.1999