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Saitenweise.  . . . . . . . . . .30. Jänner 1998 . . . . . . . . . . Nummer 4

Musiktheater

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Die Chance
der Improvisation
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Vom Singspiel zum Musical – Ein kleiner Rückblick auf vier Jahre Musicalkurs im Rahmen des Jugend-Musikcamp Edlitz von unserer erfahrenen Spielleiterin Anna Scheidl

Ganz sicher machen sich nur wenige Gedanken darüber, was an Vorarbeit notwendig ist, um ein "Mini-Musical" auf die Beine zu stellen. Am Anfang stand die eine Idee: Kindern und Jugendlichen, die kein oder nur wenig Können an einem für das Camp erforderlichen Instrument haben, eine interessante Alternative zu bieten. Es entstand die Gruppe "Singspiel". Ich nenne es im Nachhinein ein liebevolles Herantasten an das Mögliche. Und auch das war eigentlich schon ein toller Erfolg; die Erarbeitung des Singspiels "Hänsel und Gretel" hat mir und – ich bin mir sicher – auch den TeilnehmerInnen sehr viel Spaß gemacht. Nun, das nächste Jahr kam nur allzuschnell und ich machte mich auf die Suche nach einer neuen Geschichte. Ich merkte nur sehr bald, daß es nur ganz wenig wirklich gute Musicalliteratur für Kinder gibt, zumal uns durch die "Kürze" des Kurses ja eine unglaubliche Vorgabe gegeben wird.

Mut zum Risiko

Auf jeden Fall nahm ich auf meine Reise zum nächsten Kurs ein singspielähnliches Stück mit und sollte trotz meiner vorjährigen Erkenntnisse gehörig auf die Nase fallen: Wider Erwarten waren die Kinder auf diesem Kurs gar nicht mehr so "klein" wie ich gedacht hatte (oft täuschen leider die Altersangaben gewaltig!), und so stand ich mit meiner Idee ganz schön auf verlorenem Posten: Ich merkte, daß ich nicht ankam; "So ziemlich das Schlimmste!", sagte ich mir, aber wie so oft ist die Improvisation eine ungeheure Chance für etwas Neues und Gutes. So entwickelte sich durch dieses kleine Mißgeschick eine grundsätzliche Idee und ein neuer Weg für den Musicalkurs (etwas, das ich zuerst nicht angehen wollte, weil es mir zu riskant erschien!): nämlich mit den TeilnehmerInnen während des Kurses die Geschichte zu entwickeln. – Natürlich ein gewagtes Unternehmen: Wie leicht kann es sein, daß man sich nicht einigt, daß zuviel der kostbaren Zeit vergeht, und man nach vier Tagen plötzlich sieht, daß nur noch ganz wenig Probenzeit zur Verfügung steht, und man kaum einen Schritt weiter gekommen ist. Aber zum Glück war dem nie so. Das liegt sicher an der enormen Kreativität und Freude am gemeinsamen Erarbeiten eines Theaterstückes. Und so fügt sich also Lied an Lied, Ideen kamen dazu und bald war unsere erste "Edlitzer Uraufführung", das selbstgeschriebene Musical "Raumschiff Entenprise", aufführungsreif. Nun ging es erst richtig los: Gewappnet mit sämtlichen Musiknummern und einer Grundidee im Kopf, nämlich das Kindermusical "Dracula" zu spielen, ging es an das dritte Jugendmusikcamp. Wieder war das Ergebnis etwas anders als die Vorlage, und wieder haben wir aus einem wenig interessanten Stück eine sehr witzige Persiflage auf "Dracula", "Batman" und noch einige andere Fernsehserien entworfen. Spürbare Musical-Atmosphäre Im vierten Jahr waren wir nochmals um einiges klüger: diesmal sehr gut vorbereitet und mit einer selbstgeschriebenen Bearbeitung des "Kleinen Horrorladen" ging es ans Werk: auch wußten wir, daß einige "alte Hasen" mit dabei sein würden, und so fiel die Arbeit um vieles leichter. Aber – ich kam trotz allem nicht umhin, meinem Verlangen nach Perfektion nachzugeben, es mußte wieder eine Steigerung her: wir wagten uns gemeinsam mit der Instrumentalgruppe einen großen musikalischen Schritt nach vor und begannen, die Lieder teilweise mit Orchesterbegleitung zu singen. Der Erfolg gab uns recht: Unterstützt von Orchester und großem Chor gab es ein fulminantes "Broadway-Finale" und der Saal tobte!! ¨

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Alle Abbildungen aus der letzten Musicalpremière vom 29. Juli 1997 im Festsaal des Gasthofes Grüner Baum in Edlitz: „Der kleine Blumenladen“ nach: „Little Shop of Horrors“

Mitwirkende:

Erzähler: Rebecca Schwarz, Seymour: Elisabeth Weihsinger, Audrey: Maxi Neuwirth, ihre Mutter: Elisabeth Rigler, Seymours Chef: Birgit Krancan, Zahnarzt: Matthias Male, Tilli: Raffaela Ofner, Milli: Julia Trost, Vanilli: Nora Bammer, Wurzelsepp: Johanna Jaufer, Kraxn-Weibi: Monika Huber, die Pflanze: Anna Breitenecker, 3 Codos: Al Codo–Codhilde–Jean-Cood van Damme. Ouverture und Finale mit Chor und Musicalorchester des JMC Edlitz.

Dozenten:
Anna Scheidl (szenische Leitung); Hannes Fromhund (musikalische Leitung); Martin Vácha (Chor, Stimmbildung); Alexander Klinger (Assistenz)

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