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Saitenweise.  . . . . . . . . . .30. Jänner 1998 . . . . . . . . . . Nummer 4

Musikgeschichte

»Auch ein mißlungenes Experiment ist besser
als gar keines«
Hanns Eisler

Wer war dieser Hanns Eisler (1898-1962), der Komponist der Nationalhymne der ehemaligen DDR, dessen Musik man vor allem mit einem Phänomen des 20. Jahr-hunderts in Verbindung bringt, das als „politische Musik“ bezeichnet wird? – Folgen wir dem Weg eines Komponisten, dessen politische Überzeugung vor allem angesichts des Zusammenbruchs des Kommunismus in den Staaten des ehemaligen Ostblocks Anlaß zu näherer Betrachtung gibt!
Zu Hanns Eislers Jubiläum von Katharina Thenius

Hanns Eisler wurde 1898 – übrigens im selben Jahr wie Bertolt Brecht – in Leipzig geboren. Von 1919 bis 1923 war er Schüler Arnold Schönbergs in Wien. Von Schönberg geschätzt, widmete er sich zuerst auch voll und ganz dem Kompositionsstil der Wiener Schule, was aber einen jähen Abbruch mit seiner Übersiedelung nach Berlin im Jahre 1925 und seiner Abwendung von der bürgerlichen Musik, wie sie in Wien unterrichtet wurde, erfuhr.

Er wandte sich den kommunistisch geführten Teilen der Arbeiterschaft zu und sah im Komponieren für diesen zahlenmäßig größeren Teil der Bevölkerung sein neues Betätigungsfeld. Diese Abwendung vom bürgerlichen Musikbetrieb gipfelte in seiner „Kampfmusik“, in der er sein Bekenntnis zum Sozialismus zum Ausdruck bringen konnte. In diese Schaffensperiode fallen Sololieder, kantatenartige Werke, sowie Film- und Bühnenmusik, und aus Eislers Bevorzugung von Vokalmusik entwickelte sich der für ihn so charakteristische „kampfmusikalische Vokalstil“, der als der „eigentliche Eisler-Stil“ bezeichnet wird.

Die Veränderungen der politischen Lage durch die Machtübernahme Hitlers führten Eisler 1938 ins Exil in die USA, wo er sich einerseits der Filmmusik und andererseits der Liedkomposition widmete. Eisler mußte Kompromisse eingehen und näherte sich wieder dem Stil Schönbergs an. Seiner politischen Überzeugung blieb er allerdings auch in den Jahren des Exils treu.

Nach dem Krieg kehrte Eisler nach Ostdeutschland zurück und nahm die Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht, die schon vor 1938 bestanden hatte, wieder auf. Auch hier galt es für Eisler, Kompromisse einzugehen, da er sich nun – in der DDR – mit Zensur und einem durchaus autoritären Regime konfrontiert sah. Auch wenn er hier als Künstler die harten Seiten des Lebens im Kommunismus zu spüren bekam, so blieb er trotzdem bei seinem Bekenntnis zum Sozialismus und seiner Verurteilung des Kapitalismus. Das Regime entledigte sich seiner, indem es ihn zum „Klassiker des sozialistischen Realismus“ ernannte und ihn damit in die Wirkungslosigkeit abschob. Eislers schöpferische Kräfte blieben während seiner letzten Lebensjahre gelähmt. Er starb 1962 in Berlin.

Wie war Hanns Eisler als Mensch und Kollege?

Unter Musikerkollegen galt er als peinlich genau, was die Aufführung seiner Werke betraf, und als unbestechlicher Kritiker. Er legte Wert auf die Verständlichkeit jedes einzelnen Wortes seiner Lieder. Georg Knepler erinnert sich, daß Eislers und Brechts Arbeitsweise der einer Fabrik glich, in der mit höchster Präzision gearbeitet wurde – „die Erzeugnisse gingen unmittelbar in den Kampf der Gegenwart ein.“ Eisler selbst bezeichnete sich als „Hersteller von Musik“ und seine Unternehmungen als „Experimente“. Georg Knepler berichtet weiters, daß Eisler einmal anläßlich der Aufführung eines Musikstücks heftig applaudiert habe, obwohl das Musikstück nicht seinem Geschmack entsprach, und geäußert habe: „Auch ein mißlungenes Experiment ist besser als gar keines.“

Viele seiner eigenen Experimente stießen auf Unverständnis und Ignoranz.

Literatur:

Mathias Hansen, Art. Hanns Eisler. In: Metzler Komponisten Lexikon.
Hrsg. Horst Weber (Stuttgart 1992) S.232-237
Georg Knepler, Erinnerungen an Hanns Eisler. In: Georg Knepler, Gedanken über Musik
(Berlin 1980) S.46-56

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